Pyeongchang 2018 – eine Chance für Frieden und Menschenrechte?

Die Olympische Idee steht auch für Toleranz und Frieden 

Martin Lessenthin

Pyeongchang

Frankfurt am Main / Peking – Sowohl bei den Olympischen Sommerspielen 2000 in Sydney als auch bei den Asienspielen 2006 liefen Nord- und Südkorea hinter der gemeinsamen Flagge ein.

Wer erinnert sich noch an die Olympischen Spiele von 2004, als erstmals Sportler beider koreanischer Staaten vereint an den Spielen teilnahmen? Einen historischen Durchbruch erzielten Nord- und Südkorea bereits bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney, als die koreanischen Olympia-Mannschaften aus dem Süden und dem Norden bei der Eröffnungsfeier gemeinsam hinter der Flagge der koreanischen Halbinsel einmarschierten. Mit Recht sprach damals die Welt von einer großen Geste, die Hoffnung für Frieden und Menschenrechte auf der koreanischen Halbinsel bedeuten könnte.

Daraus wurde nichts. Aber mit Blick auf die am 9. Februar 2018 im südkoreanischen Pyeongchang beginnenden Olympischen Winterspiele sind die Hoffnungen auf eine Beteiligung Nordkoreas und Gemeinsamkeiten beider koreanischer Staaten umso größer. Denn noch nie wurden die von Nordkorea ausgehenden Gefahren für den Weltfrieden als so ernst empfunden, wie jetzt. Die zahlreichen Raketentests, verbunden mit atomarer Bedrohung gefährden nicht allein die nordostasiatische Region, vor allem das demokratische Südkorea und Japan. Die Raketen sind auch eine potenzielle Bedrohung für den südkoreanischen Verbündeten USA, für Deutschland und andere europäische Staaten.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) wünscht sich Sicherheit und einen reibungslosen Ablauf der Winterspiele. Das IOC wirbt daher um eine Beteiligung von Athleten aus dem Norden. Sogenannte „Wildcards“ für die Anmeldung zusätzlicher Wettkampfteilnehmer sollen die Führung Nordkorea für die Teilnahme an den Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang erwärmen und von möglicherweise geplanten Übergriffen auf die Spiele abhalten. Nach Frieden und Sicherheit sehnen sich neben den Athleten und Sportfunktionären aber auch Südkoreas Bevölkerung und die südkoreanische Regierung.

Das IOC setzt gegenüber der nordkoreanischen Führung konsequent auf die Kernpunkte der Olympischen Bewegung, die sich seit ihrer Entstehung Frieden und Verständigung auf die Fahnen geschrieben hat. Es war der sportbegeistere Pädagoge Baron Pierre de Coubertin, der Begründer der Olympischen Spiele der Neuzeit, der 1880 die Idee verbreitete, durch Sport junge Menschen aus aller Welt zusammenzubringen. Coubertin gab den Spielen das Motto: „All sports, all nations“ („Alle Sportarten, alle Nationen“). Es war ihm wichtig, dass die Spiele unpolitisch waren. Sie sollten zur internationalen Verständigung beitragen und Toleranz unter den Nationen fördern. Coubertin erfand auch das Symbol der Olympischen Spiele: die fünf miteinander verbundenen Ringe, die die fünf Kontinente symbolisieren. Gleichzeitig wollte er nationale Egoismen überwinden und zum Frieden und zur internationalen Verständigung beitragen. Die „Jugend der Welt“ sollte sich bei sportlichen Wettkämpfen messen und sich nicht auf den Schlachtfeldern bekämpfen.
Die Friedensidee war der zentrale Leitgedanke Coubertins. Dieser Friedensgedanke steht nicht im Gegensatz zum sportlichen Leistungs- und Wettkampfprinzip; dieses Leistungs- und Wettkampfprinzip steht vielmehr in seinem Dienst. Coubertin war dabei nicht weltfremd. Damit sich die Menschen achten können, müssen sie sich zuerst kennen lernen, schrieb er. Dies sollte auch heute Ansporn für die Olympische Bewegung, die Wettkampfteilnehmer aus aller Welt, insbesondere aber aus beiden Teilen Koreas sein. Pyeongchang ist eine Chance für die Frieden und Menschenrechte, vor allem für den Diktator Kim Jong-un und die Stützen seiner Herrschaft in in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang. Sie müssen sich der Welt öffnen, wenn sie eine positive Zukunft für sich und die Menschen auf der koreanischen Halbinsel wollen.

Der Autor Martin Lessenthin, M.A., ist Mitglied im Kuratorium des Deutschen Instituts für Menschenrechte (DIMR) und Vorstandssprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM).

Veröffentlicht von on Jan 1st, 2018 und gespeichert unter DRUM HERUM, SONSTIGES. Sie können die Kommentare zu diesem Beitrag via RSS verfolgen RSS 2.0. Gehen Sie bis zum Ende des Beitrges und hinterlassen Sie einen Kommentar. Pings sind zur Zeit nicht erlaubt.

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