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echtsanwalt Klaus Stähle empfängt
den Besucher herzlich in einem groß-
zügigen Design-Besprechungszimmer. Es
herrscht offensichtlich eine lockere Atmos-
phäre in der Kanzlei, wie auch der fröh-
lichen Sekretärin anzumerken ist. Ob dies
am Schwerpunkt Arbeitsrecht liegen kann?
Ursprünglich hieß die Sozietät noch
Klemm Schulz und bestand aus den Kolle-
gen RA Klemm (Fachanwalt für Strafrecht
und Notar) und RA Ralf-Rüdiger Schulz
(Fachanwalt für Arbeitsrecht und Media-
tor). Der Interviewte sei 1992 als Refe-
rendar dazu gekommen und habe anschei-
nend die Kanzleigründer durch besonderes
Engagement von sich überzeugen können,
meint Stähle, sodass er fast augenblicklich
als gleichberechtigter Gesellschafter auf-
genommen wurde. Die Kanzlei Klemm
Schulz Stähle existierte fortan während
12 Jahren und löste sich erst letztes Jahr
auf, um sich nunmehr als Schulz Stähle
ausschließlich auf Arbeitsrecht zu konzen-
trieren. Von einst 12 Mitarbeitern redu-
zierte sich die Sozietät auf sechs Personen,
das heißt auf zwei Anwälte, zwei Sekrek-
tärinnen, einen Referendar und eine Putz-
frau (welche man nicht vergessen dürfe, so
Stähle). Wir bauen aber wieder auf ...,
meint er; es steige bereits im Juli eine neue
Anwältin ein.
Firmenphilosophie
Die Sozietät konzentriert sich wie gesagt
auf Arbeitsrecht. Sie gilt dabei als regio-
nale, von sozialem Denken geprägte,
gewerkschaftsnahe Kanzlei und vertritt
hauptsächlich Arbeitnehmer und Betriebs-
räte. Durch ihren Ruf würden sie dann
auch prinzipiell wenig Arbeitsgeber aufsu-
chen. Mit Individualarbeitsrecht und kol-
lektivem Arbeitsrecht als Schwerpunkte sei
Schulz Stähle in letzterem mittlerweile
sogar eine der größten spezialisierten
Kanzleien. Mandanten kämen hauptsäch-
lich auf Empfehlung zu ihnen. Als Anwalt
übernimmt man in dieser Kanzlei also
sowohl kleinere Routineverfahren vor
dem Arbeitsgericht als auch langanhal-
tende und komplexe Verhandlungen um
z. B. Sanierungsmaßnahmen zu planen
oder Kündigungen zu verhindern.
Die Sozietät organisiert außerdem
Seminare. Die Anwälte schulen Betriebs-
räte zum Teil in Gewerkschaftsräumlich-
keiten und zum Teil in der Kanzlei selber
um sie in betriebsverfassungsrechtlichen
Fragen, in arbeitsrechtlichen Grundlagen
sowie in aktuellen Entwicklungen fit
(sic) und dadurch handlungsfähig zu
machen.
Politisch gesehen
Man kann sich vorstellen, wie nahe ein
Fachbereich wie Arbeitsrecht die politische
Lage widerspiegelt. Gerade in Berlin sei das
produzierende Gewerbe seit dem Mauerfall
stark zurück gegangen, während der
Bedarf im Dienstleistungssektor anstieg.
Mit der Konsequenz von u. a. sehr vielen
Kündigungen und befristeten Arbeitsstel-
len (bzw. des Teilzeit- und Befristungsge-
setzes vom 21.12.2000 TzBfG) und dem
Übergang vom gewöhnlichen Kündi-
gungsprozess zum sog. Entfristungspro-
zess. Es werde heute lange und verbittert
um eine Arbeitsstelle gekämpft, wo früher
noch viel einfacher zu einem Vergleich
gefunden werden konnte. Auf dem heuti-
gen Arbeitsmarkt werde um die Stelle
gerungen; wie auch immer es sich auf das
Verhältnis zwischen den Parteien auch
auswirken möge. Zusätzlich ist der Anreiz
Abfindungen zu akzeptieren weiter gesun-
ken, weil diese nun seit Anfang des Jahres
nicht mehr steuerfrei sind. Im Koalitions-
vertrag vorgesehen, ist im Übrigen die
Anhebung gewisser Schwellenwerte, wo-
durch u. a. die Möglichkeit einer zwei-
jährigen Probezeit bestünde. In diesem
Zeitraum wende sich der Angestellte bzw.
Proband allerdings kaum an spezialisierte
Arbeitsrechtler, so Stähle. Der durch-
schnittliche Mandant blicke auf eine viel
längere Berufserfahrung zurück.
Mediation
Ein weiteres Thema bei Schulz Stähle ist
die zusätzliche Ausbildung des Rechtsan-
walts Schulz in Mediation. Stähle erzählt,
dass die Kollegen ursprünglich hofften,
dieser Pluspunkt würde sich wirtschaftlich
bemerkbar machen. Inzwischen kamen sie
zu der Feststellung, dass Mediationsge-
schick im Bereich Arbeitsrecht zwar nicht
schade, jedoch auch keine große Einzel-
rolle spielen könne, anders als z. B. im
Familienrecht. Mit der Vertretung von
Betriebsräten wird im Übrigen bereits Stel-
lung bezogen, weswegen zusätzliche
Mediation gar nicht mehr in Frage käme.
Referendariat bei Schulz Stähle?
Überzeugende und vor allem überzeugte
Bewerber, die sich zum (kollektiven)
Arbeitsrecht berufen fühlen, hätten in der
Kanzlei durchaus Chancen, meint Stähle
und zwar vom Referendariat bis zur Über-
nahme. Das Gebiet ist alles andere als
wertneutral und eignet sich, zumindest bei
Schulz Stähle, für engagierte, politisch
interessierte Juristen, die trotz aller Profes-
sionalität immer auch ein wenig mit dem
Mandanten mitleiden können. Im Arbeits-
recht ist eine wirtschaftliche Perspektive
und eine steile Karriere vielleicht schwieri-
ger als z. B. im Wettbewerbs- oder Steuer-
recht, man kann es aber offensichtlich
auch so betreiben, dass man ein gutes
Auskommen davon hat. Mit einer sozialen
Ader und einer eher linksorientierten
Einstellung findet man wohl allerdings
leichter dazu.
Kanzleireport
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justament drei 2006
Von sozialem Denken geprägt
Zu Gast bei Schulz-Stähle-Anwaltssozietät für Arbeitsrecht
Isabelle Eggler
Anwaltssozietät Schulz Stähle
Güntzelstraße 63 · 10717 Berlin
www.schulz-staehle.de
info@schulz-staehle.de
Informationen
Rechtsanwalt Klaus Stähle